Osteosarkom – Knochenkrebs …

Spoiler: Dieser Blogeintrag ist weniger informativ. Er geht „lediglich“ um meine Maus, um ihren Krankheitsverlauf (deshalb wird er immer wieder aktualisiert) und um meine Gedanken.

Gipsy, meine Plumskuh – da sie sich immer und überall hinplumsen lässt, egal ob jemand unter ihr legt oder nicht. Mit etwa zwei Jahren zog meine Prinzessin zu uns ein – mein erster eigener Hund – Pauls aller erster Hund. Nun ist Gipsy etwas über 10 Jahre. Am 30.6.16 ging ich mit Gipsy zum Arzt, da mir die Verdickung oberhalb am Karpalgelenk und das leichte Lahmen nicht gefiel. Außerdem hab ich das Gefühl gehabt, dass es in kurzer Zeit dicker geworden ist. Ich sag noch zu meiner Ärztin, dass ich nicht glaube, dass es Knochenkrebs ist. Doch das Röntgen zeigte etwas anderes. Keine Frage – sofort flossen die Tränen. Knochenkrebs ist unheilbar, aggressiv, schmerzhaft und ein Arschloch!

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Am 1.7.16 also ab zur Tierklinik, nochmal Röntgen und CT. Zu 99 % Knochenkrebs, es könnte auch eine Osteomyelitis sein. Aber die typische Wolkenbildung sprechen für Krebs – auch dass der Nebenknochen kein bisschen „angefressen“ ist. Die 3 d Aufnahme des CTs zeigte, dass die Elle oberhalb des Karpalgelenks schon extrem verfressen ist. Es droht eine Fraktur (=Bruch), weshalb eine Biopsie (Stück vom Knochen entfernen und dann Einschicken – Dauer befund: 3 bis 4 Wochen) fast unmöglich ist.

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Ist werde also vor 3 Optionen gestellt:

Weg 1: Biopsie. Durch die Biopsie kann dann zu 100 Prozent gesagt werden, was es ist.Ist es eine Osteomyelitis muss das Bein amputiert werden. Im Falle eines Osteosarkoms ginge es dann weiter zu Weg 2 oder 3. Die Gefahr, dass es wegen der Biopsie schneller zur Fraktur kommt ist hoch, was dann zur Amputation oder einschläfern führen würde.

Weg 2: Amputation – dann die Knochen zur Biopsie einschicken. Kommt Knochenkrebs raus dann entweder weiter zu Weg 3 oder Chemotherapie.

Weg 3: Schmerztherapie. OS ist schmerzhaft, es ist ekelhaft – er ist aggressiv. Er wird streuen und schnell streuen und Schmerzen verursachen. Daher ist eine gute Schmerztherapie wichtig. Und den Zeitpunkt erkennen wann der Zeitpunkt gekommen ist.

Lebenserwartungen im Schnitt:

Manche Hunde sterben wenige Tage nach der Diagnose, manche leben noch Wochen, manche Monate, manche Jahre. Je nach Stadium, Metastasen und Behandlung. Eine Heilung gibt es nicht. OS ist ein Todesurteil. Keiner kann also einem eine „Garantie“ geben wie lang man noch hat. Und das Schlimme ist eben, dass es keine Heilung gibt, d.h. entscheidet man sich für Amputation und Chemo, dann wird der Krebs zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen… und die scheiße geht von vorne los.

(Ja, ich benutz Kraftausdrücke…anders ist es nicht auszurdrücken.)

Lebenserwartung ohne Behandlung (Schmerztherapie) meistens Tage, Wochen oder wenige Monate. Wenn nur Amputiert wird dann etwa 4 Monate. Amputation und Chemo einige Monate bis 1 oder 2 Jahre. Nur Chemo macht wenig Sinn.

Was also machen? CT der Lunge zeigte keine sichtbaren Metastasen. Aber dieser verf*ckte Krebs hat zu 90 % bei der Diagnose schon nicht sichtbar gestreut. D.h. eine Wahrscheinlichkeit, dass Krebszellen im Körper schon da sind, ist verdammt hoch. Aber hier brannte ein kleiner Hoffnungsschimmer in mir auf. Also doch Amputation und Chemo? Ich hab den Krebs noch sehr früh „erwischt“ – bleibt mir also doch ne eine ganze Weile mit meiner Zwetschge?

Schafft mein Hund mit 3 Beinen durchs Leben zu gehen? Erster Gedanke: Ja klar, he – der Krebs ist noch nicht in der Lunge 8zumindest noch nicht sichtbar) und sie bekommt einen Rolli und ich helf ihr immer mit einer Tragehilfe. Das schafft sie. Hoffnung blüht auf- ich muss meine Maus noch nicht gehen lassen – ich hab sie noch lange.

Es war eigentlich ausgemacht, dass Gipsy mindestens 15 Jahre alt wird. Mindestens!!!!

Hoffnung und Zuversichtig.

Im Nächstenmoment aber der Zweifel. Gipsy ist etwa über 10 Jahre alt. Auch wenn sie vom Wesen und Verhalten und Fell extrem jung aussieht (die Tierklinik dachte sie wäre erst 5). So weiß ich dass Gipsy Probleme mit dem Bewegungsaparat hat. Sie hat HD, ED (beidseitig) und an der rechten Pfote (OS ist links) ist die Bizepssehne durchgetrennt, außerdem hat sie Spondylose. Zudem ist Gipsy kein kleiner Hund, sondern ein Rottimix. Schafft sie also das Leben mit 3 Beinen? Hat sie die selbe Lebensqualität? Schafft sie die Amputation? Sind die Schmerzen ertragbar? Gibt es Phantomschmerzen beim Hund auch?

Ich weiß, dass Amputationen für viele Menschen ein größeres Problem darstellen, als dass ihre Tiere es wirklich hätten. Nein, ich hätte kein Problem damit meinem Hund ein Bein entfernen zu lassen, wenn ich weiß – dass sie das fehlende Bein kompensieren kann, wenn dieser Schritt sich lohnen würde!

Aber nach der Amputation geht es weiter mit der Chemotherapie. Chemotherapie hat einen schlechten Ruf… Nebenwirkungen, von Menschen weiß man, dass viele lieber sterben würden als die Chemo noch einmal zu bekommen. Beim Hund läuft die Chemo zwar in „geschwächter“ Form ab – aber die Nebenwirkungen können heftig sein. Es gibt Hunde, die keine oder kaum Nebenwirkungen haben. Und es gibt den Großtteil – der während der Chemo leidet – es gibt Hunde, die die Chemo nicht überstehen, es gibt Fälle, bei denen die Chemo abgebrochen werden muss, da es das Tier nicht schafft.

Und nach der Chemo? Nein… keine Heilung…. nur die Zeit aufgeschoben. Dieser verflixte Krebs kommt wieder? Wann? Das kann dir keiner sagen: Wochen? Monate? Jahre? Die meisten Hunde leben max. 1 Jahr – wenige 2 Jahre – kaum welche länger. Viele sterben einige Monate nach der Chemo.

Also alle Möglichkeiten ausschöpfen um das Leben zu verlängern? So weit wie möglich? Ist es aber mit Amputation und Chemo ein Leben? Ein schönes Leben?

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Innerlich zerrissen – ein Hin und Her. Was ist richtig? Derzeitiger Stand: Schmerztherapie und die Zeit, die wir haben genießen. Qualität statt Quantität heißt es doch so schön immer. Aber innerlich schreit es in mir: Ich möchte mehr Zeit haben. Mehr Zeit mit meiner Gipsy.

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Gedanken zu meiner Gipsy:

Gipsy ist was Besonderes. Nein. Das sag ich nicht nur so! Sie ist es wirklich. Ich weiß, jeder sagt, sein Hund ist der Beste – das soll so auch sein! Aber Gipsy ist mein Seelenhund. Meine Prinzessin – meine Plumskuh. Alle, die auch nur Gipsy wenige Minuten kennen gelernt haben werden mir zustimmen 🙂

Gipsy ist der Grund, warum wir die anderen Knödel haben. Immer erhofften wir uns noch so einen tollen Hund zu bekommen. Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe alle meine Hunde gleich. Ich möchte keinen meiner Vierbeiner missen! Aber ich denke, dass man einmal im Leben, wenn man das Glück hat, seinen Seelenhund trifft. Und in meinem Fall ist es Gipsy.

Gipsy lacht immer – haltet mich für bekloppt, nennt es vermenschlichen, ist mir egal – aber Gipsy lacht. Gipsy strahlt Lebensfreude aus – wenn es einem schlecht geht muss man sie nur anschauen und sie muntert einen sofort auf. Wenn ich Migräne hatte, versuchte sie immer auf meinen Kopf zu liegen 😀 Wenn ich Bauchweh habe, liegt sie auf meinen Bauch.  Abr Gipsy liegt auch gerne auf der Fernbedienung. Der erste Weg also, wenn wir die Fernbedienung suchen, ist erst einmal unter der Gipsy zu suchen 😀

Gipsy liebt es zu Reisen  – meine Reisetante. Manche Hunde brauchen ein paar Tage bis sie sich an das neue Umfeld gewohnt haben, Gipsy nicht. Zack – rein ins Bett und gut ist. Hauptsache sie ist dabei. Gipsy begleitet mich fast immer, sei es in den Urlaub (da sowie so) oder zu Seminaren.

Gipsy liebt aber auch Bälle. Oh man, war und ist Gipsy eine Balltante 🙂 Und Wasser – eine Wasserratte hoch zehn. Sie liebt es nicht nur zu schwimmen und Spielzeug aus dem Wasser zu holen, sie liebt es auch den Wasserstrahl zu jagen.

Und sie liebt Essen. Hühnchenherzen, Hühnchensuppe – eigentlich egal. Hauptsache Essen 🙂

Es gibt so vieles über meine Gipsy zu sagen. So viel schöne Momente. So viel lustige Geschichten.

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Ehrlich gesagt hab ich Angst. Ich habe Angst vor der Zukunft. Ich habe Angst die falsche Entscheidung zu treffen. Ich habe Angst den Zeitpunkt nicht zu erkennen. Ich habe Angst vor den Schmerzen. Schmerzen die Gipsy haben wird. Ich habe Angst egoistisch zu handeln. Und ich habe Angst vor dem Tag des Abschieds. Vor „meinem Schmerz“.

Ich weiß es ist egoistisch, seit Tagen zu heulen – dabei bin ich nicht totkrank! Sondern meine Fellnase, und was macht sie? Sie lebt im Jetzt und genießt ihr Leben. Ich versuch es ihr nachzumachen, die Zeit zu genießen und nicht an die Zukunft zu denken. Aber wie geht das? Der Schmerz ist da…

 

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