Hund scheren lassen oder nicht?

Jaja, diese Frage geistert immer durch das Internet, sobald die Temperaturen steigen und es Richtung Sommer geht. Klar, dass ich als Hundefriseurin auch meinen Senf dazu geben muss!

Um aber der Sache wirklich auf den Grund zu gehen, muss ich etwas ausholen: Es gibt verschiedene Felltypen beim Hund. Je nach Felltyp benötigt es idealerweise eine fachgerechte Pflege. Daher kann man nicht pauschal sagen das Abscheren immer gut oder schlecht ist.

Fangen wir also mit den Trimmfell an. Trimmfell besitzen Schnauzer, Rauhaardackel, Foxterrier, Airdale Terrier, usw. Dieses Fell fühlt sich fester, borstiger an und lässt sich super leicht herauszupfen, sobald es reif ist. Was bedeutet jetzt schon wieder reif? Häää? Ganz einfach: Das Fell wächst, wird weniger gut versorgt und fällt dann raus, bzw. lässt sich leicht herauszupfen. Meistens juckt es den Hunden dann ganz arg und sie scheuern sich gerne an Teppiche, Wänden und kratzen sich vermehrt. Unter dem reifen (auch totes genannt) Trimmfell ist schon das neue Trimmfell parat. Das neue Trimmfell ist noch kürzer, farbenfroh und sitzt fest, d.h. dieses Fell wird nicht rausgezupft – sonst ist der Hund ja nackig. Wird ein Hund regelmäßig getrimmt, erhält er ein Rolling Coat. Boah, schon wieder so ein Fremdwort? 😉 Ganz einfach, die Abstände sind genau so gewählt, dass das tote Fell sich leicht rauszupfen lässt, aber genug Abstand zum lebendigen Fell hat, so dass es sich super leicht trimmen lässt. Und es ist aber genug neues Fell vorhanden, so dass der Hund nicht nackig wirkt. Problem ist nämlich bei einem zu großen Abstand zwischen dem Trimmen, dass reifes und neues Fell fast gleich lang sind und beim Zupfen dann teilweise das neue Fell mit rausgezupft wird -> folglich geht es schwerer, es ist für den Hund unangenehm und der Hund wirkt nackig und löchrig im Fell. Also immer schön regelmäßig Trimmen lassen! Was ist Trimmen genau? Kleiner Exkurs: Beim Trimmen wird das tote Fell mit den Fingern herausgezupft. Je nach Fell oder Vorliebe des Groomers nur mit den Fingern oder mit Trimmmesser oder Trimmstein. Und hier gilt ganz klar: Ein Trimmfell, welches sich trimmen lässt sollte nicht geschoren werden! Warum? Klar bekommt ihr ne Erklärung: Wenn das Fell geschoren wird, wird ja das tote Fell aus der Haut nicht ausgezupft, es steckt ja noch in der Haut fest. Somit kann es dem Hund immer noch jucken und es kann sogar zu Hauptprobleme führen. Außerdem verliert ein Trimmhund, dessen Fell immer nur geschoren wird in der Regel an Farbe und die Beschaffenheit des Fells verändert sich, d.h. es wird weicher. Somit ist auch die Schutzfunktion des Fells dahin. Übrigens haben Trimmfellhunde keine bis wenig Unterwolle.

Dann gibt es das Schneidefell. Es ähnelt unseren Haaren. Dies haben z.b. Yorkshire Terrier, Shih-Tzus, Malteser, usw. Also sämtliche kleine Puschelhunde mit langem, mehr oder weniger glatten Fell. Diese Fellnasen kann man nach Wunsch und Laune des Besitzers frisieren. Wenn hier das Fell abgeschnitten wird, hat es keinerlei Folgen. Auch diese Hunde haben keine oder wenig Unterwolle.

Pudel, Bichons und Co. haben ebenfalls eine Art Schneidefell, welches aber stark gelockt ist. Diese Rassen gelten oft als Allergikerhund, da sie wenig bis gar nicht haaren. Aber Achtung, dass Fell ist ziemlich pflegeaufwendig und sollte regelmäßig gebürstet werden. Auch hier gilt, dass es keinerlei Folgen hat, wenn man solche Hunde die Haare schneidet.  Diese Hunde haben normalerweise keine Unterwolle.

Übrigens ist es völlig Wurst, ob man nun die Schere oder Schermaschine nimmt. Und es ist auch völlig egal, wann man das erste Mal einen Hund frisiert (Alter gemeint), wir können mit der Schere oder Schermaschine nichts an der Genetik ändern. Für das Hundeleben ist eine frühe Gewöhnung an die Fellpflege und Hundefriseur sogar sinnvoll. Viele Hundefriseure bieten deshalb oftmals eine kostenlose Welpen- und Junghundeeingewöhnung an, einfach mal bei eure/n Groomer/in des Vertrauens nachfragen.

Und dann gibt es noch die Kurzhaarhunde. Dazu zählen z.b. meine Anny und Mogli, also American Staffordshire Terrier, der Boxer, Vizla und Co. Diese Hunde haben von Natur aus schon kurzes Fell. Meist besitzen diese Rassen keine und sehr wenig Unterwolle. Hier macht es einfach keinen Sinn das schon kurze Fell noch kürzer zu scheren. Auch nicht gegen das Haaren -> der Hund verliert gleich viel Fell, es ist nur kürzer und fällt vielleicht deshalb weniger auf?!

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So, nun aber zu den Streitthema schlechthin: Unterwollhunde. Unterwollhunde besitzen 2 Felltypen: Einmal das Deckhaar, es ist oft etwas länger als die Unterwolle, fühlt sich fester an und ist in der Regel wenig/nicht gelockt. Das Deckhaar dient als Schutz vor die Außenwelt, wie eine Art Regenmantel. Das Unterwollhaar sitzt direkt an der Haut unter dem Deckhaar und dient wie eine Art Isolationsschicht. Es schützt vor Kälte, aber auch vor Hitze. Es ist dünner, weicher und oftmals etwas gelockt. Was passiert also, wenn wir Unterwollhunde scheren? Wir bringen Deckhaar und Unterwolle auf eine Länge. Das schützende Deckhaar verliert die Funktion (z.b. die Unterwolle vor Nässe zu schützen, aber auch vor Sonnenbrand zu schützen). Wenn nun das Fell wieder wächst und die Unterwolle nie entfernt wird, dann kann es passieren, dass das Deckhaar es nicht mehr schafft, durch die Unterwolle durchzuwachsen. Was passiert? Der Hund „verwollt“ -> und da denken nun alle, dass Scheren dem Fell schadet, bzw. es verändert. Falsch: Nochmal, wir können nicht die Genetik verändern. Wenn wir also einen Unterwollhund scheren wollen, sollte das Deckhaar nur soweit gekürzt werden, dass es länger wie die Unterwolle ist. Aber somit hat es außer einen optischen Effekt für den Besitzer sonst gar keinen für den Hund! Wenn wir also einen Unterwollhund kurz scheren, dann muss der Besitzer oder Groomer fleißig bürsten, so dass das Deckhaar leicht durch die Unterwolle wieder durchwachsen kann. Dann verändert sich gar nichts am Fell.

Nun aber die Frage, ob es überhaupt Sinn macht einen Unterwollhund zu scheren? Jaein! Wenn ich als Hundefriseurin einen Hund auf meinen Trimmtisch hab, der ein wunderschönes und funktionierendes Fell hat -> dann wird vom Scheren abgeraten. Statt dessen wird jede Menge lose Unterwolle entfernt (niemals alles entfernen, denn ein bisschen Unterwolle dient als Isolationsschutz vor Hitze). Das hat den Effekt, dass wieder Luft an die Haut kommt. Somit ist es dem Hund nicht mehr so heiß. Oder wie meine Kunden gerne sagen: „Dann schwitzt der Hund nicht mehr so.“ (Das Wort „schwitzen“ in Verbindung mit Hund treibt mir jedesmal ein Grinsen ins Gesicht, denn Hunde können nicht schwitzen so wie wir – sie haben keine Schweißdrüsen am Körper 😉 )

Wenn ich aber einen älteren Hund auf meinen Trimmtisch hab, oder das Fell wegen was auch immer – (Krankheit, Hormone, usw.)- nicht mehr funktionsfähig ist, dann ist Scheren manchmal sogar sinnvoll.

Also mein Fazit: Unterwollhund scheren? Ja, bei sehr alten Tieren oder Tieren mit einem schlechten/ nicht mehr funktionsfähigen Fell. Nein, bei Hunden mit funktionsfähigen Fell, dann lieber ordentlich und regelmäßig die Unterwolle entfernen. Wird das Fell durch das Scheren kaputt oder verändert es sich? NEIN -> es muss fleißig gebürstet werden, dann wächst das Fell normal nach.

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